Erste Kite-Stunde
Velika Plaža · klarer Kopf, demütiger Start · Wind: Kite-Woche läuft · zuerst Theorie




Die erste Kite-Stunde fand wie geplant statt. Und sie begann korrekt, also nur mäßig glamourös: mit Theorie.
Theorie ist der graue Teil der Geschichte. Kein Spritzwasser, kein heldenhafter Boardwinkel, kein Foto, auf dem jemand wie ein Meeresathlet aussieht. Gleichzeitig entscheidet genau dieser Teil, ob der Rest der Woche Spaß wird oder ein kleiner Versicherungsfall mit Sonnenbrand. Also habe ich diesmal zugehört.
Ich könnte hier problemlos als warnendes Beispiel dienen. Vor ein paar Jahren habe ich die optimistische YouTube-Route gewählt: ein paar Videos ansehen, im Prinzip alles verstanden haben und dann in der Praxis mehr gegen den Kite kämpfen, als die Schönheit des Sports sauber und sicher zu genießen. Eine sehr lehrreiche Methode, wenn man Demut lernen möchte.
Der Neustart ist deshalb absichtlich: zurück zu den Grundlagen, von Anfang an, mit Lehrer und sicheren Routinen. Ich habe mich hier an der Velika Plaža für Kiteriders Montenegro entschieden, und die Woche bewegt sich nun offiziell Richtung VDWS-Zertifizierung statt Richtung weiterer vermeidbarer Verletzungen. In meinem Alter darf man das Fortschritt nennen.
Nach dem ernsten Teil wurde der Tag angenehm langsam. Ein kurzer Stopp am lokalen Markt wurde zu einem vollständigen Auswahlverfahren, denn die richtigen Oliven auszusuchen ist offenbar kein schneller Verwaltungsvorgang. Hausgemachtes Gemüse, Obst, Käse, getrocknete Scheiben, eine Flasche lokaler Milch mit der Aufschrift qumësht und ein kleiner Essenstisch, der beweist, dass Abendessen keinen Ausschuss braucht.
Der Rest hatte den Rhythmus des langen Strands: ruhige Straßen, Restaurants bereit für Menschen, die noch nicht angekommen sind, klares erfrischendes Meer und ein Kaffeestopp im Caffe D. Der Kaffee war lokaler albanisch-türkischer Stil, in der Džezva gekocht — stark, langsam und sehr gut darin, einen kurz hinzusetzen, statt so zu tun, als müsste jede Urlaubsminute einen Zweck erfüllen.
Der späte Abend endete auf der Terrasse. Gute Stimmung. Kopf-Reinigung läuft. Positive Erwartung. Rund um die Velika Plaža ist alles bereit: Strandplätze offen, Schilder leuchten, Terrassen warten. Nur die Menschenmassen fehlen — genau deshalb fühlt sich Urlaub außerhalb der Hauptsaison wie höfliches Schummeln an.
Alles ist bereit. Der Strand hat Platz. Die Kite-Woche hat begonnen. Das mag ich.