Letzter Wind am langen Strand
Velika Plaža · sicher, dankbar, ordentlich windgeformt · Wind: 20 Knoten · 12 m Kite · anspruchsvoll, aber sauber
Der letzte Tag an der Velika Plaža ist überlebt. Das ist bereits eine Überschrift und braucht diesmal keine juristische Prüfung: eine ganze Kite-Woche, keine Verletzungen durch Kiten, viel gelernt, viel verbessert und maximale Sicherheit als Zentrum der ganzen Operation. Verdächtig erwachsenes Verhalten.
Der Wind verabschiedete sich nicht sentimental. Er kam anspruchsvoll: etwa 20 Knoten, 12 m Kite, also genug Kraft, damit jeder kleine Fehler sofort Beschwerde einlegt. Die Lehrer von Kiteriders Montenegro machten einen hervorragenden Job: ernsthafte Progression, ruhig geführt und sicher. Gelegentlich war ich mir nicht ganz sicher, ob die volle Aufmerksamkeit beim Kite bleiben sollte oder bei der Schweizer Instruktorin, die die richtige Technik mit gefährlich hoher Kompetenz demonstrierte. Im offiziellen Sicherheitsbericht steht: „Fokus gehalten“. Der Bericht könnte optimistisch sein.
Heute ist etwas eingerastet: Der Kite will eigentlich keinen Kampf. Er braucht keine Kraft, keine Panik und keine schnellen Heldentaten. Er braucht Zuhören. Den Wind zuerst sprechen lassen, die Hände ruhig halten, den Kite sanft ziehen lassen, aufs Brett rollen — und plötzlich ist das Wasser kein Gegner mehr, sondern ein Satz, den man lesen kann. Nur ich, Wasser und Wind. Kein Ausschuss nötig.
Das ist die seltsame Schönheit des Sports: Von außen sieht er dramatisch aus, aber die besten Momente sind fast weich. Weniger Ringen, mehr Gespräch. Weniger „alles kontrollieren“, mehr „die Kraft verstehen und sie nicht unnötig wütend machen“. Eine nützliche Philosophie und möglicherweise auch ein Tipp für Software-Deployments.
Die Woche wurde viel mehr als nur Unterricht. Sie wurde zu einer kleinen internationalen Sprache: Kiter aus verschiedenen Ländern, verschiedene Akzente, derselbe Strandinstinkt, derselbe Reflex zur Vorhersage, derselbe Blick, wenn der Wind endlich kommt. Ein paar neue Freunde gehören jetzt zur Karte — nicht als trauriger Abschied, sondern als „wir sehen uns bald wieder auf dem Wasser“. Kite ist eine besondere Sprache und spricht offenbar einen starken Dialekt von Optimismus.
Für den nächsten Teil Montenegros hier eine kleine visuelle Erinnerung, warum dieses Land mehr als ein Kapitel verdient: https://youtu.be/_YpCJf0Eu_U?si=TqM9IfMTGfLpsrwe
Also kein dramatisches Lebewohl. Nur positiver Wind, positiver Kopf und das Gefühl, dass hier keine Box abgehakt wurde, sondern eine Tür richtig aufgegangen ist. Die Fortsetzung sollte bald kommen, ruhig und sicher. Die Velika Plaža hat ihren Job gemacht. Die Lehrer auch. Sogar ich habe gelegentlich mitgearbeitet.